InCa 4D Partner im Gespräch - mit Kelly Kollmorgen

Veröffentlicht: 10. Februar 2022

Kelly Kollmorgen ist Digitalisierungsmanagerin bei dem AWO-Bezirksverband Braunschweig e.V. und aktives Mitglied in dem Projekt Entwicklungsplattform Innovative Pflege. Gemeinsam mit der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften setzt sie die Pflegeunterstützung mittels Robotik in der Praxis um. In Einrichtungen der AWO Braunschweig identifiziert sie derzeit in Workshops und ab demnächst im Rahmen des Förderprojekts DigiCare Robo zusammen mit Pflegekräften Anwenderszenarien, bei denen der Roboter Cruzr unterstützen kann.

GesundheIT: Frau Kollmorgen, Sie setzen sich für eine Entlastung der Pflegekräfte durch eine sinnvolle Digitalisierungsstrategie ein. Was tun Sie dafür konkret bei der AWO?

Kollmorgen: Ich bin mit großer Begeisterung Digitalisierungsmanagerin bei dem AWO-Bezirksverband Braunschweig e.V. Meine Aufgaben bestehen u.a. darin, digitale Elemente und Kompetenzen zu kanalisieren, um somit Räume für die Entwicklung ganz neuer digitaler Dienstleistungsangebote zu schaffen, die einfach zu bedienen sind und die Kolleg*innen in der Pflege nachweislich entlasten.
Bei der Umsetzung ist vor allem darauf zu achten, dass alle Nutzergruppen in den Transformationsprozess mit einbezogen werden. Denn bei dem Weg in eine digitale Zukunft sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen. Die Digitalisierung muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt.

GesundheIT: Welche Chancen haben sich für die AWO durch die Entwicklungsplattform Innovative Pflege ergeben?

Kollmorgen: Digitalisierung bietet gerade in der Pflege große Chancen. Doch bei der Umsetzung digitaler Lösungen sollte immer der Mehrwert neuer Technologien in der Praxis und die Akzeptanz der Anwender*innen im Fokus stehen.  Die im Rahmen des Projektes durchgeführten Workshops tragen dazu bei, dass Akzeptanz und Verständnis geschaffen und Berührungsängste der Nutzer*innen abgebaut werden.


Die Entwicklung des humanoiden Roboters Cruzr bietet die Chance, zukünftig Pflegekräfte bei ihren Verwaltungsaufgaben zu entlasten und sich dadurch mehr auf die echte Pflege am Menschen konzentrieren zu können. Zudem kann der Fachkräftemangel, der gerade in der Pflege weiter zunimmt, durch Robotik möglicherweise kompensiert und eine Versorgungsqualität verbessert werden. Wir freuen uns insbesondere darüber, dass im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Metropolregion GmbH und der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften nun ein neues Förderprojekt startet, um dies in der Praxis realisieren zu können. Mit dem Projekt DigiCare Robo – Robotik in der Pflege können mittels eines partizipativen Ansatzes Robotik-Anwendungen für die Pflege entwickelt und erprobt werden und dem demografischen Wandel und einem zunehmenden Fachkräftemangel in der Pflege begegnet werden.

GesundheIT: Welche Herausforderungen bringt die erfolgreiche Umsetzung von innovativen Projekten in der Pflegepraxis aus Ihrer Erfahrung mit sich?

Kollmorgen: Es gibt sehr viele unterschiedliche technische Entwicklungen für die Pflege, die jedoch im Pflegealltag kaum nutzbar sind. Hierbei ist vor allem auf eine anwendungsnahe Entwicklung zu achten, bei der alle Beteiligten und potenzielle Nutzer*innen mit einbezogen werden.
Um alle Betroffenen an die neuen technischen Möglichkeiten heranzuführen, bedarf es zusätzlich Zeit- und Maßnahmenpläne, personelle und zeitliche Ressourcen sowie das Know-how und Verständnis für digitale Lösungen.

GesundheIT: Pflege in 2025: was hat sich bis dahin verändert?

Kollmorgen: Die IT-Infrastruktur wird in allen pflegerelevanten Versorgungsbereichen konsequent ausgebaut, sodass alle Pflegeeinrichtungen mit einem WLAN ausgestattet sind, um weiterführende technische Geräte problemlos installieren zu können.  Es wird weiterhin für die notwendige Akzeptanz und Einbindung der Beteiligten gesorgt, um die Digitalisierung erfolgreich umsetzen zu können. Voraussetzungen hierfür sind digitale Kompetenzen, die verbindlich in Aus-, Fort- und Weiterbildung verankert werden. Die eingesetzte Technik trägt dazu bei, Entlastung für Pflegende im praktischen Pflegealltag zu schaffen. Die Pflegenden können sich voll und ganz auf den persönlichen Kontakt zu den Bewohnern konzentrieren.

GesundheIT: Vielen Dank, Frau Kollmorgen.

Foto: Philipp Ziebart

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