Ein professionelles Verständnis, ein Karriereentwicklungsplan und digitale Kompetenzen für die Pflege

Veröffentlicht: 12. Mai 2021

Ein professionelles Verständnis, einen Karriereentwicklungsplan und digitale Kompetenzen – nur einiges, das Experten und Expertinnen aus Pflege, Pflegeforschung und -wissenschaft für die Pflege fordern. Zum internationalen Tag der Pflegeberufe haben wir Forderungen und Perspektiven in der Pflege nach unserem smart.mobile.health-Talk zum Thema „Digitalisierung in der Pflege“ zusammengefasst.

Prof. Martina Hasseler Bild: Martina Hasseler

Prof. Martina Hasseler, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften
Professionelle Pflege und professionelle Pflegeberufe sind in Deutschland in ihrer Relevanz und Bedeutung am meisten unterschätzt. Wir müssen uns fragen, ob das, was Pflege eigentlich anbieten kann, nach derzeitigen Rahmenbedingungen um
gesetzt werden kann. Professionelle Pflege in ausreichender Anzahl und mit guten Arbeitsumgebungen macht einen Unterschied für Patienten*innen und Pflegebedürtige in allen Settings und Sektoren der Gesundheitsversorgung. Sie reduziert Komplikations- und Sterberaten, führt zu besseren Ergebnissen der Gesundheitsversorgung und Lebensqualität. Professionelle Pflege stützt sich auf systematisch entwickelte (auf wissenschaftlichen Studien basierte) Erkenntnisse und wendet diese überwiegend auf Einzelfälle in der Praxis an. Eine professionelle Pflegeperson kann auf Grundlage wissenschaftsorientierter Standards, Kodizes und beruflichen Erfahrungen einen Pflegebedarf diagnostizieren und erforderliche Pflege planen, umsetzen, eruieren. Professionelles Handeln in der Pflege entsteht auf Grundlage von systematischem Wissen und Erfahrungen. Prof. Hasseler leitet das Projekt „Telenursing Goes Digital“ (T-Nugd), ein Weiterbildungsangebot im Bereich digitale Kompetenzen für Pflegefachpersonen und Angehörige.
Pflege heute in 365 Tagen? „Das T-Nugd Projekt wird erfolgreich weiter geführt, die Digitalisierung der Pflege wird mit den entsprechenden Fachwissenschaften weiterentwickelt und umgesetzt und die Pflegepraktiker*innen integriert.“

Melanie Philip Bild: Josephine Dinkelbach

Melanie Philip, Pflegepioniere
Kleine- und mittelständische Pflegeunternehmen haben grundsätzlich die Herausforderung, dass sie kaum Overheadressourcen haben und durch die Finanzierung der Pflege auch nur eingeschränkte Investitionsmöglichkeiten. So fehlt die Möglichkeit, sich ausreichend mit der „Pflege von Morgen“ und der Arbeit am Unter-nehmen zu beschäftigen. Zeitgleich ist das Wissen über (Experten-)Themen wie z.B. Prozessoptimierung, Changemanagement, Entgeltverhandlung, Bildungsmanagement oder (digitale) Transformation und die Methodenkompetenz im eigenen Unternehmen oft gar nicht ausreichend vorhanden und kann nur zugekauft werden. Es muss im Rahmen der gesetzlichen Finanzierungsmöglichkeiten der Pflege eine Möglichkeit geschaffen werden, Investitionen in diese Themen und positive Weiterentwicklung zu ermöglichen. Diese sind für die Pflegebranche unablässig, sofern wir unsere Versorgungslandschaft zumindest erhalten oder gar verbessern möchten. E-Learning ist für uns die Eintrittskarte zum Thema Digitalisierung in der Pflege, weil es für viele intuitiv ist - aber auch da werden strategische Ansätze gebraucht.
Pflege heute in 365 Tagen? „Die Krankenkassen haben Abrechnungswege gefunden, um Televersorgung zu finanzieren.“

Prof. Michael Prilla Bild: Michael Prilla

Prof. Michael Prilla, TU Clausthal
Als Erfinder der „Pflegebrille 2.0“ beschäftigt sich Prof. Prilla mit der Anwendung von Augmented Reality im Pflegealltag. Hier geht es um die Unterstützung der Pflegefachkräfte durch die Aufbereitung pflegerelevanter Themen wie das Wundenmanagement per erweiterter Realität auf der Brille. Dabei legt er Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit Praktiker*innen und Expert*innen aus der Pflege, um die Bedarfe aus der Praxis in technische Arbeitsabläufe zu übersetzen. Denn: Es ist der falsche Weg, einfach mit neuen Lösungen zu kommen.
Pflege heute in 365 Tagen? „Wir freuen uns, wenn Hilfsmittel wie die Pflegebrille Teil des Pflegealltags geworden sind und sie dort unterstützen.“

Florian Tölle Bild: Marcel Domeier

Florian Tölle, Diakovere gGmbH
Zur langfristigen Planung und strategischen Ausrichtung fehlt eine landesweite oder regionale Strategie zur digitalen Entwicklung im Gesundheitssystem, mit einer strategischen Planung für die Pflege. Diese Strategie könnte neben Anforderungen an die Pflege in der Klinik sowie der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit (Stichwort Fallakte) auch Finanzierungswege enthalten. Die digitale Transformation stellt unser Unternehmen aber auch vor Herausforderungen. Wir müssen Unsicherheiten bei den Mitarbeitenden abbauen und die Bereitschaft wecken, alte Gewohnheiten abzulegen und sich auf die „neue Technologie“ einzulassen.
Pflege heute in 365 Tagen? „Die Vereinheitlichung über eine Digitalisierungsstrategie auf Landesebene ist gestartet.“

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