
Metropolregion (06.03.2026). Stehen sportliche Großereignisse an, verdichtet sich die An- und Abreise tausender Fans innerhalb weniger Stunden. Gerade diese Verkehrsspitzen verursachen eine Überlastung der Verkehrssysteme und den größten Anteil der veranstaltungsbezogenen Treibhausgasemissionen. Sportvereine, Verkehrsunternehmen und Kommunen stehen in der Verantwortung. Wie lassen sich Kombitickets, Verkehrsdaten in Echtzeit, Abstellplätze besser kombinieren? Und wie kann eine ganze Region dadurch attraktiver für Großveranstaltungen und Events aller Art werden? Dies soll mit dem Projekt Fan-MOVE der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg untersucht werden.

Gemeinsam wollen die beteiligten Akteur*innen Ideen erarbeiten, die über reine Insellösungen hinausreichen (Foto: Jennifer Bullert)
Zum Auftakt in der Volkswagen Arena Wolfsburg haben rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Profisport, Kommunen, öffentlichem Verkehr und Technologie die Ausgangslage der Fanmobilität gemeinsam bewertet. Profivereine im Fußball sind beispielsweise in ihren Lizenzauflagen dazu verpflichtet, Mobilitätsdaten zu erheben – allerdings sind diese nicht vergleichbar. Ziel ist es, einen gemeinsamen Standard zu schaffen, Anreisemuster zu verstehen und darauf aufbauend fundierte Handlungsempfehlungen für eine mögliche nächste Projektphase vorzubereiten. Gefördert wird Fan-MOVE (Fan-Mobility Optimization Via Efficiency) durch das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser. Damit unterstützt das Land Niedersachsen die Metropolregion dabei, nachhaltige Veranstaltungsmobilität strategisch weiterzuentwickeln – auch mit Blick auf kommende Großereignisse.
Viele Standorte verfügen bereits über tragfähige Grundstrukturen. In Wolfsburg arbeiten Verein, Stadt und Verkehrsunternehmen eng zusammen, um Verkehrsströme rund um Sportveranstaltungen frühzeitig zu koordinieren und Überlastungen zu vermeiden. Hohe Fahrgastaufkommen in kurzen Zeitfenstern sowie wirtschaftlich anspruchsvolle Zusatzverkehre stellen Verkehrsunternehmen jedoch vielerorts vor organisatorische Herausforderungen. Fan-MOVE setzt genau hier an und führt diese Perspektiven erstmals strukturiert zusammen.

Im Workshop listeten die Teilnehmenden Bedarfe und Ideen auf (Foto: Jennifer Bullert)
Neben dem VfL Wolfsburg beteiligen sich sechs weitere Profisportvereine aus der Metropolregion am Projekt, darunter Hannover 96, die Basketball Löwen Braunschweig und der TSV Hannover-Burgdorf Handball. Hinzu kommen zentrale Akteurinnen und Akteure aus Planung und öffentlichem Verkehr. Technologiepartner ergänzen die fachliche Expertise. Die strategische Projektbegleitung übernimmt die elevengreen GmbH mit ausgewiesener Expertise aus Profisport und Nachhaltigkeit.
„Publikumsstarke Events in Sport, Festivals oder Messen sind ein Aushängeschild unserer Metropolregion. Sie schaffen Identifikation, ziehen Gäste an, stellen aber auch besondere Anforderungen an Infrastruktur und Abstimmung. Wenn Verkehrsspitzen intelligent organisiert sind, stärken wir Erlebnisqualität, Klimabilanz und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts“, betont Metropolregions-Geschäftsführer Christoph Meineke.
Fan-MOVE baut auf Vorarbeiten der Metropolregion auf. Mit der jüngst gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt abgeschlossenen Werkstatt MoVI wurden bereits Ansätze zur vernetzten Mobilität und zu neuen Technologien diskutiert und Akteurinnen und Akteure über Stadtgrenzen hinweg zusammengebracht. Fan-MOVE überträgt diese strategischen Überlegungen nun auf einen besonders sichtbaren Anwendungsbereich: den Profisport.
„Während die Werkstatt MoVI Ideen zur vernetzten Mobilität und zum autonomen Fahren diskutiert hat, erweitert Fan-MOVE diesen Ansatz und schafft konkrete Mehrwerte für die Vereine der Metropolregion, mit dem Ziel, den Spieltagsverkehr effizienter, umweltfreundlicher und für alle Beteiligten attraktiver zu gestalten. Besonders wertvoll wird das Projekt durch die enge Zusammenarbeit von Vereinen, Kommunen, ÖPNV-Vertretern und Technikunternehmen, die gemeinsam über Stadtgrenzen hinweg Lösungen für die Fanmobilität entwickeln. Ich freue mich auf das Projekt, weil es einen Grundstein legen kann, um die Infrastruktur der Sportstätten nachhaltig zu verbessern und die Fanbindung zu stärken“, erklärt Christina Schulze, Leiterin des Handlungsfeldes Mobilität bei der Metropolregion.
Die Ergebnisse des Kickoff-Workshops münden nun in eine vertiefte Arbeitsphase, die die Grundlage für eine Machbarkeitsstudie bildet. Die beteiligten Akteurinnen und Akteure signalisierten zugleich den Wunsch, den Austausch zwischen Sportvereinen, Kommunen, Verkehrsakteuren und Technologiepartnern dauerhaft zu intensivieren, um Fanmobilität künftig regional abgestimmt weiterzuentwickeln. Parallel werden bestehende Datenlücken systematisch analysiert und bewährte Ansätze anderer Großveranstaltungen, wie beispielsweise Kirchentage, ausgewertet. Mit den Finals 2026 in Hannover und den Special Olympics 2027 in Göttingen stehen zudem zwei Großereignisse bevor, die als Referenzräume für eine vertiefte Datenerhebung dienen sollen. Auf dieser Grundlage wird geprüft, wie eine weiterführende Projektphase ausgestaltet werden kann.
Über die Metropolregion GmbH
Die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH vernetzt Menschen und Unternehmen, Wissenschaft und Kommunen mit ihrem Können und Wissen, ihren Kompetenzen und Ideen – metropolregional, national und international. Sie entwickelt und ermöglicht Projekte in den Handlungsfeldern Mobilität, Gesundheitswirtschaft und Standortmarketing. Dabei umfasst sie rund 3,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner auf einem Drittel der Fläche Niedersachsens.