
Rund 80 Akteur*innen aus Politik, kommunalen Verwaltungen, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung haben in Braunschweig Herangehensweisen erörtert, wie mit der wachsenden Wirtschaftsmacht Chinas umgegangen werden soll. Der Strategiedialog „Kommunale Partnerschaften mit China – Chancen, Risiken und Handlungsfelder in Niedersachsen“ wurde von der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg gemeinsam mit der Allianz für die Region organisiert. Im Mittelpunkt standen Studien der Friedrich-Ebert- sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung, die den deutsch-chinesischen Kommunalbeziehungen eine geopolitische Relevanz zuordneten.
Metropolregion/ Braunschweig (19.02.2026). Ob Städtepartnerschaften, Kultureinrichtungen, die Gestaltung von Lieferketten oder Investitionen in Schlüsselindustrien und Infrastruktur – Chinas Einfluss wächst stetig. Um die deutsche China-Politik erfolgreich neuauszurichten, bedarf es laut den Verfassern einer Studie einer stärkeren Berücksichtigung kommunaler Verbindungen und ihrer spezifischen Ausgestaltung. Die Allianz für die Region hat sich gemeinsam mit der Metropolregion dieses Themas angenommen und Strategien diskutiert, um gemeinsam handlungsfähig zu bleiben.

Melanie Walter, niedersächsische Europa- und Regionalentwicklungsministerin, eröffnete den Strategiedialog mit einem Grußwort. (Foto: Lars Landmann)
„Kommunale Partnerschaften mit China sind mehr als bürokratische Vereinbarungen – sie verbinden Menschen, Ideen und Regionen, sie eröffnen neue Chancen für Wirtschaft, Bildung und Kultur und bringen Innovationen in unsere Städte und Gemeinden. Niedersachsens langjährige Partnerschaft mit der Provinz Anhui ist ein wertvolles Beispiel für erfolgreiche internationale Kooperationen auf Landesebene. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst sein, dass China nicht nur Partner und Wettbewerber, sondern auch systemischer Rivale ist. Unser Miteinander müssen wir entsprechend gestalten – nachhaltig, verantwortungsvoll und im Einklang mit unseren europäischen Werten“, sagte Niedersachsens Europa- und Regionalentwicklungsministerin Melanie Walter zur Eröffnung der Veranstaltung.
Auch wenn Entscheidungen über Investitionen und Partnerschaften zumeist auf lokaler Ebene getroffen würden, habe sich die Tragweite oft als größer erwiesen, so die Studienautoren. Die Kommunen in der Metropolregion sind dabei unterschiedlich aufgestellt: Während einige bereits langjährige Kontakte nach China pflegen, hatten andere bislang keine Berührungspunkte. Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Metropolregion und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Allianz für die Region, hob die engen Verflechtungen von Stadt und Region mit China hervor, begründet im wirtschaftlichen Herzstück von Braunschweig und der Region: der starken Automobil-, Verkehrs- und Maschinenbaukompetenz mit zahlreichen, global agierenden Herstellern und Zulieferern und entsprechenden Forschungseinrichtungen. Seit 15 Jahren pflegt Braunschweig zudem eine Städtepartnerschaft mit Zhuhai im Süden der Volksrepublik. Dr. Kornblum: „Zwischen unserer Region und China bestehen zahlreiche Kontakte auf vielen Ebenen: In Wirtschaft und Wissenschaft, in Forschung und Ausbildung und vielen zivilgesellschaftlichen Ebenen. Diesen Austausch wollen wir pflegen und vertiefen, auch als Kommune. Dazu ist es erforderlich, mehr China-Kompetenz zu schaffen. Angebote wie dieser Strategiedialog leisten dabei einen wichtigen Beitrag.“
Braunschweig pflegt bereits seit Jahren wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Beziehungen nach China, erklärte Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum. (Foto: Lars Landmann)

Der Strategiedialog der Allianz für die Region und der Metropolregion war bewusst als Austauschformat zur gemeinsamen Einordnung angelegt, da Themen wie Lieferketten, Fachkräfte oder Infrastruktur über kommunale Grenzen hinausgehen. In fünf Fishbowl-Runden setzten sich die Teilnehmenden unter anderem mit Freiheit von Forschung und Lehre, Wirtschaft und Investitionen sowie sicherheitspolitischen Aspekten auseinander.
„Die Region ist geprägt von einem dichten Geflecht vielfältiger Kooperationsbeziehungen zwischen Industrie, Mittelstand, Forschung und Kommunen. Gerade in einem Umfeld zwischen Partnerschaft und Wettbewerb brauchen wir abgestimmte Leitplanken, um Innovationskraft, Wertschöpfung und Beschäftigung nachhaltig zu sichern. Mit der heutigen Veranstaltung haben wir eine Plattform geschaffen, die wirtschaftliche Vernunft, geopolitische Sensibilität und regionale Interessen zusammenführt“, betont Thomas Ahlswede-Brech, Geschäftsführer der Allianz für die Region. „Die deutsch-chinesischen Beziehungen bedeuten eine Gratwanderung für die Kommunen“, ergänzt Peines Landrat Henning Heiß, Vorsitzender des Vereins Kommunen in der Metropolregion. „Zugleich profitieren wir vom engen Miteinander in der Metropolregion, sodass wir uns dieser Herausforderung mit gebündeltem Wissen und Erfahrung stellen können, um so die regionale Wertschöpfung zu sichern und auszubauen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten brauchen wir mehr Mut zum Miteinander“, erklärt Heiß abschließend.

In fünf Fishbowl-Runden gewährten die Panelisten wertvolle Einblicke in die deutsch-chinesischen Kommunalbeziehungen. (Foto: Lars Landmann)
Über die Metropolregion GmbH
Die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH vernetzt Menschen und Unternehmen, Wissenschaft und Kommunen mit ihrem Können und Wissen, ihren Kompetenzen und Ideen – metropolregional, national und international. Sie entwickelt und ermöglicht Projekte in den Handlungsfeldern Mobilität, Gesundheitswirtschaft und Standortmarketing. Dabei umfasst sie rund 3,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner auf einem Drittel der Fläche Niedersachsens.
Über die Allianz für die Region GmbH
Die Allianz für die Region GmbH fungiert als Regionalentwicklungsgesellschaft der Region Braunschweig-Wolfsburg mit rund 1,2 Mio. Einwohnern. In ihrer Rolle als Impulsgeber initiiert, koordiniert und realisiert sie regionale Verbundaktivitäten und Projekte gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften. Damit leistet sie einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Lebensqualität in der Region.