
Die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg sucht eine neue Geschäftsführung. Der aktuelle Geschäftsführer Christoph Meineke verlässt das Unternehmen im Frühjahr aus persönlichen Gründen. Im Gespräch zieht er eine erste Bilanz: Die Metropolregion hat ihre Sichtbarkeit erhöht und durch ein neues Handlungsprogramm, Messeteilnahmen und intensive Netzwerkarbeit ihre Rolle als Standortakteurin geschärft. Ein Blick auf Erreichtes und die Herausforderungen, vor denen die Metropolregion nun steht.
Anfang 2024 bist du als Geschäftsführer der Metropolregion angetreten. Zu Ende März 2027 verlässt du nun die Metropolregion: Wie blickst du auf das bisher Erreichte?
Gemeinsam mit den Gesellschaftern hat sich die Metropolregion in den zurückliegenden Jahren wesentlich weiterentwickelt und strategische Zukunftsformate aufgegriffen. Inhaltlich haben wir uns spannenden Themen zugewandt, sei es Smarte Regionen, KI oder Augmented Reality in der Mobilität oder in der Pflege. Wir haben einen Rahmen für die kommende EU-Förderperiode erarbeitet und unsere nationale wie internationale Präsenz deutlich gestärkt. Beispielsweise durch die Teilnahme an der Smart City Expo in Barcelona, der weltweiten Leitmesse für urbane Digitalisierung.
Auch institutionell sind wichtige Meilensteine gesetzt: Das neue Handlungsprogramm für die Jahre 2027 bis 2032 steht. Es wird getragen vom Claim „Connect. Create. Innovate.“, der zugleich den Aktionsrahmen definiert und uns im Kreise der Träger und im Land positioniert. Ab kommendem Jahr soll dies mit Leben gefüllt und mit innovativen Vorhaben unterlegt werden. Nicht zuletzt ist auch eine finanzielle Basis vereinbart worden, die der Gesellschaft einen soliden Rahmen für die kommenden fünf Jahre gibt.
Plattform, Vernetzerin, Impulsgeberin – das ist der Anspruch der Metropolregion. Was bedeutet der neue Claim „Connect. Create. Innovate.“ konkret?
Wir haben intensiv am Profil gearbeitet. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir die Sichtbarkeit des Standortes insgesamt und unserer Einheit deutlich gestärkt. Ein gutes Beispiel für „Connect“ ist das Messegeschäft. Auf der Expo Real in München beispielsweise organisieren wir mittlerweile den Stand für das gesamte Land Niedersachsen. 15 Partner mit 70 Unteraussteller zeigen auf einer der weltweit größten Immobilienmessen die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Region.
Zugleich organisieren wir unter dem Stichwort „Create“ wegweisende Pilotprojekte und Reallabore. Im Mobilitätsbereich haben wir die Werkstatt „MoVi“ für zukunftsfähige Mobilität gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig gerade erfolgreich abgeschlossen. Weiter geht’s mit Fan-MOVE, das den Bereich Spitzensport, Nachhaltigkeit und Eventstandort verbindet. Mit dem neuen Handlungsprogramm ist auch die bisherige Wissenschaftskooperation noch mal deutlich gestärkt worden und nun ein eigenes Feld zum Stichwort „Innovate“ mit dem Namen „Emerging Fields“, in dem Zukunftstechnologien abgebildet werden. Der Bereich Gesundheitswirtschaft ist um die Life Sciences erweitert worden.
An welchen Faktoren lässt sich die Entwicklung konkret festmachen?
Nehmen wir den Bereich Gründungsökosystem: Der HealthHack ist eine feste Institution geworden und hat seit 2024 drei Startups hervorgebracht. Zum Thema Sichtbarkeit für unsere Mitglieder hat sich unser Stand auf der Real Estate Arena in Hannover mit 14 Partnern fest etabliert und unsere Veranstaltungen sind fester Teil des Messeprogramms geworden. Besonders unsere kommunalen Partner bezeichnen die Messe bewusst als „Heimspiel“ mit allem, was dazu gehört: Stimmung, Rückenwind und die Erfolge am örtlichen Markt. Ich bin sehr dankbar, dass das kreative Team im Haus und die Bereitschaft der Gesellschafter zu neuen Formaten auch spannende Events wie den ersten Promptathon hervorbrachte: „Prompters‘ Paradise“ im Einbecker PS.Speicher– und das bereits vor zwei Jahren, als sich das Thema KI noch nicht so etabliert hatte.
Der kommunale Bereich gehört zu den tragenden Säulen der Metropolregion. Wie profitieren Kommunen von der Mitgliedschaft?
Der Trend ist stark: Wir haben in den zurückliegenden Jahren vier Kommunen mit insgesamt 130.000 Einwohnern hinzugewonnen. Die größte unter ihnen ist die Kreisstadt Wolfenbüttel. Zu den stärksten Argumenten für einen Beitritt zählen die erhöhte Sichtbarkeit der Städte und Gemeinden durch die Metropolregion, beispielsweise bei den Gewerbeflächen durch Messen, aber auch unser Fördermittelscouting oder Impulse, wie sie zum Beispiel durch unsere Arbeitsgruppe Innenstädte gegeben werden. Die vier namensgebenden Städte der Metropolregion und 53 Kommunen in unserem Trägerverein Kommunen bilden ein starkes Netzwerk mit gegenseitigen Anregungen, Ideen und vor allem Nutzen.
Stichwort Netzwerk: Vom Kommunalen mal Richtung Europa geschaut. Die Metropolregion ist ja eine von elf „Europäischen Metropolregionen in Deutschland“. Wie wird sie dem Anspruch gerecht?
Wir zielen deutlich stärker auf EU-Projekte als noch vor ein paar Jahren. Die neue EU-Förderkulisse wird eine echte Chance für uns sein, da unsere Gesellschafter – zu denen auch das Land Niedersachsen zählt –, uns als „Matchmakerin“ positionieren. Der Wettlauf um die Gelder aus Brüssel wird härter, fokussierter und strategischer werden. Umso wichtiger wird die Konsortialbildung aus Wirtschaft, Wissenschaft und starker örtlicher Basis. Das Zusammenführen der Sektoren nimmt dann breiten Raum ein. Zu unserer Basisarbeit zählt vor allem die Antenne Métropole – eine tolle Einheit des deutsch-französischen Austausches, die auch Arbeiten des Konsulates wahrnimmt und Kommunen direkt mit französischen Partnern vernetzt.
Aktuell steht Deutschland und auch das Land Niedersachsen vor strukturell großen Herausforderungen. Wie kann ein Konstrukt wie die Metropolregion hier helfen?
Wir decken Niedersachsens größten und stärksten Wirtschafts- und Forschungsraum ab. Immerhin ein Drittel der Landesfläche, fast vier Millionen Menschen und eineinhalb Millionen Beschäftigte finden sich in unserer Gebietskulisse. 14 namhafte Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind Mitglied in unserem Trägerverein Wissenschaft. Die Krise der Automobilindustrie hinterlässt überall Spuren. Umso spannender ist es, für die künftige Geschäftsführung und das Team, hier Impulse zu setzen und mitzugestalten. Vor allem, dass wir Stakeholder aus verschiedenen Bereichen zusammenführen, ist ein großes Plus. Natürlich auch harte, mitunter kleinteilige Arbeit. Unsere Projekte geben uns viel Beinfreiheit zum Engagement und führen die Träger mit ihren jeweiligen Logiken in komplexen Fragen zusammen. Vor allem braucht es ein oder zwei Großprojekte wie die e-Flotte, die über viele Jahre die Arbeit der Metropolregion geprägt hat. Aber künstliche Intelligenz, Robotik und andere Zukunftsfelder laden hier wirklich zum Gestalten ein.
Was nimmst du aus deiner Zeit als Metropolregions-Geschäftsführer für deine Zukunft mit?
Ich bin ja noch nicht weg. Bis Ende März steht noch vieles auf der Agenda. Vor allem freue ich mich, dass wir einige europaweite Projekte in der Pipeline haben. In meiner Zeit als Bürgermeister habe ich vor allem das Kommunale im Blick gehabt. Das hat mir auch in der Metropolregion sehr geholfen. Nun hat mich besonders die Verknüpfung mit Wirtschaft und einer sehr starken Wissenschaft in der Region geprägt. Für diese Erfahrung, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und daraus gemeinsame Gestaltungskraft zu entwickeln, bin ich sehr dankbar.
Das Interview führte Jennifer Bullert.