HealthHack2023: Schüler aus der Metropolregion gewinnen mit Demenz-Assistenz-App - eigener Opa motivierte ihn zur Lösungsfindung.

Veröffentlicht: 9. März 2023
Die Gewinner des HealthHack 2023
  • Über 40 Teilnehmer*innen aus der Metropolregion, aber auch von Berlin bis München
  • Fünfter HealthHack der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH
  • Sieben Innovationsprojekte aus der digitalen Gesundheitswirtschaft und Pflege
  • Drei Siegerteams aus Braunschweig, Hannover und Bielefeld
  • Erster Platz für zwei 14- und 15-jährige Schüler mit einer Demenz-Asstistenz-App
  • Neun Partner aus Praxis, Wissenschaft und Wirtschaft stellen Mentor*innen und Jury

Am 4. und 5. März 2023 nahmen über 40 Teilnehmer*innen am fünften HealthHack der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH im TrafoHub Braunschweig teil, dessen drei Gewinner*innen zu Innovationen in der digitalen Gesundheitswirtschaft von einer Fachjury ausgewählt wurden. Unterstützt wurden sie von Mentor*innen aus Praxis, Wissenschaft und Wirtschaft der Gesundheits- und Technologiebranche aus der Metropolregion. Die meisten Teilnehmer*innen kamen aus der Metropolregionregion, aber auch von Berlin bis München war fast alles dabei. Platz Eins ging mit 1000 Euro an die 14- und 15 Jährigen Schüler Cosmo und Sivert aus Braunschweig und die Studenten*innen Lea und Armenuhi aus Bielefeld, die eine Demenz-Assistenz-App entwickelten, um Patienten mehr Selbständigkeit im Alltag zu geben. "Mit unserer Gesundheits-App DementiAssist möchten wir Demenzerkrankten helfen, den Alltag Dank herkömmlicher mobiler Endgeräte, wie Smartwatch oder Hörgerät, zu bewerkstelligen", sagt Cosmo Kunzmann, der selbst einen an Demenz erkrankten Opa hat. "Mit meiner Stimme kann das System ihn an die Einnahme von Medikamenten oder weiteren festen Tagesabläufe erinnern." Eine Innovation mit Potenzial aus der Metropolregion, die die Jury mit 1000 Euro belohnte.

Platz zwei belegt das Team SleepRadar, ebenfalls aus Braunschweig. Mit einem Sensor aus der Verkehrsmessung sollen Schlafstörungen bequem von zu Hause erkannt und analysiert werden, die aufgrund der langen Wartezeiten auf einen Termin im Schlaflabor wohlmöglich unentdeckt bleiben würden oder erst mit deutlichem Zeitverzug erkannt worden wären. Eine tolle Cross-Innovation, die Potenzial hat, fand die Jury, die 500 Euro vergab.

Den dritten Platz und 250 Euro bekam pnprotect aus Hannover. Das Team möchte mit seiner Entwicklung helfen, das häufiger werdende Krankheitsbild der Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie zu bekämpfen. Bei Krebspatient*innen kommt es durch die Chemotherapie nicht selten zu einer irreversiblen Schädigung der Nervenenden in den Extremitäten. Herkömmliche Gegenmaßnahmen können hier nur wenig ausrichten. Ändern soll das ein passgenauer smarter Handschuh, der Kühl- und Kompressionsfunktion verbindet. Eine Idee, die Mut macht.

"Die qualitativ und kreativ überragenden Ergebnisse aller Teilnehmer*innen, nicht nur der Gewinner, haben uns überzeugt", sagt Vanessa Luttermann, Projektleitung Gesundheit, Metropolregion GmbH. "Wir waren froh, dass erstmals, nach der Pandemie, wieder physisch an den digitalen Gesundheitslösungen von morgen getüftelt werden konnte. Made in Metropolregion, was uns besonders freut." Und mit dem Wettbewerb ist es noch nicht vorbei, denn die Teams sollen vom starken Netzwerk der Metropolregion aus Gesundheitsexpert*innen weiterhin profitieren.

"Der HealthHack ist Kreativität und Technikergeist pur", findet Dirk Engelmann, Leiter Landesvertretung Niedersachsen, Techniker Krankenkasse. "Spontan finden sich Teams, die digitale Lösungen zu Gesundheitsthemen programmieren. An einem Wochenende von der Idee zum Produkt - Das ist ziemlich beeindruckend."

"Nach diesem erneuten Erfolg soll der HealtHack auch 2024 weitergeführt werden und dann möglichst mit noch mehr Teilnehmer*innen und innovativen Ideen rund um die Gesundheitswirtschaft", schaut Silvia Nieber, Geschäftsführerin Metropolregion GmbH, bereits ins nächste Jahr. Ort und Zeit werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Ein herzliches Dankeschön an unsere Partner*innen, unseren Schirmherr, Sozialminister Dr. Andreas Philippi, sowie:
Die Techniker (TK) Niedersachsen
AWO-Bezirksverband Braunschweig e.V.
Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik
Innovationszentrum Niedersachsen GmbH LINGA
Braunschweig Zukunft GmbH
Netzlink Informationstechnik GmbH
Nibelungen-Wohnbau-GmbH
Standort38
Haus der Wissenschaft Braunschweig

Wir freuen uns bereits jetzt auf den HealthHack im nächsten Jahr!

Redaktion GesundheIT: Herr Dr. Philippi, wir freuen uns, Sie als neuen Niedersächsischen Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung zu begrüßen. Als Schirmherr unseres HealthHack 2023 starten Sie direkt mit einem weiteren Ehrenamt, darüber freuen wir uns sehr. 

Mit Beginn Ihrer Amtszeit betonten Sie den dringenden Handlungsbedarf, der sich in Anbetracht der vielfältigen Herausforderungen im Gesundheits- und Pflegewesen ergibt. Welchen Stellenwert hat für Sie die Nachwuchsförderung mit Blick auf die Bereitstellung von geeigneten Lösungen für die Probleme der heutigen Zeit und welchen Beitrag kann unser HealthHack diesbezüglich leisten? 

Dr. Andreas Philippi: Die Nachwuchsförderung hat einen außerordentlich hohen Stellenwert für mich. Wir brauchen die Fachkräfte von morgen, um in einer älter werdenden Gesellschaft eine gute Versorgung zu gewährleisten. Der HealthHack kann mithelfen, innovative Modelle zu entwickeln, mit denen zum Beispiel Gesundheitsfachkräfte im Alltag bei formalen Aufgaben entlastet werden, damit mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten bleibt.

Redaktion GesundheIT: Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden Sie in dieser Legislaturperiode setzen? 

Dr. Andreas Philippi: Nun, zwei große Baustellen haben Sie bereits angesprochen, nämlich die Herausforderungen in Gesundheit und Pflege. Die Weiterentwicklung der Krankenhausreform hat dabei einen hohen Stellenwert, ebenso wie die Gewinnung von Nachwuchskräften in der Pflege.

Redaktion GesundheIT: Was braucht es – gerade auch aus Ihrer Sicht als Mediziner – damit Innovationen im Gesundheitswesen erfolgreich Fuß fassen können?

Dr. Andreas Philippi: Ganz wichtig ist, dass wir die Betroffenen, sprich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mitnehmen. Dass wir Vorbehalte abbauen und deutlich machen, dass es darum geht, Beschäftigte zu entlasten, nicht zu ersetzen.

Große Chancen bietet aus meiner Sicht die Digitalisierung. Wenn die Menschen spüren, dass neue, fortschrittliche Anwendungen die Arbeit erleichtern, werden sie in der Regel gut angenommen und akzeptiert. Das sehen wir beispielsweise bei der Telemedizin, die im Zuge der Pandemie erheblich an Bedeutung gewonnen hat.

Und, wir müssen weg von der rein wirtschaftlichen Ausrichtung unseres Gesundheitssystems. Was wir brauchen, ist ein Gesundheitswesen, dass sich auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten konzentriert.

Redaktion GesundheIT: Niedersachsen als Innovationsland: In welchen Bereichen der Gesundheitsbranche sind wir heute bereits gut aufgestellt? Wo sehen Sie noch Luft nach oben?

Dr. Andreas Philippi: Nach meiner Erfahrung haben wir im Großen und Ganzen gute Versorgungsstrukturen, die wir sichern müssen. Die sogenannten Baby Boomer werden bald in Rente gehen, dann brauchen wir viele neue Fachkräfte. Bei der Vernetzung von ambulanten und stationären Angeboten können wir noch deutlich besser werden. Und die Finanzen bleiben natürlich, gerade angesichts von Inflation und steigenden Energiekosten, ein ganz großes Thema. Wir werden im Gesundheitswesen und in der Pflege langfristig sehr viel Geld „in die Hand nehmen müssen“.

Redaktion GesundheIT: Und zu guter Letzt: Was geben Sie als Schirmherr des HealthHack unseren Hack Teilnehmenden mit auf den Weg?

Dr. Andreas Philippi: Stichwort Weg, ich wünsche Ihnen den Mut, neue Wege zu beschreiten und einfach mal auszuprobieren. Und den Teams wünsche ich spannende und konstruktive Diskussionen. Nutzen Sie die kreativen Möglichkeiten dieser Veranstaltung, aber nehmen sie dabei auch die Menschen in den Blick, die später mit diesen Innovationen arbeiten sollen.

Redaktion GesundheIT: Hallo Team Cynteract, wo erwischen wir euch gerade?

Cynteract: Wir sind im letzten Jahr viel rumgekommen. Gernot war Ende letzten Jahres vier Monate in Südkorea und kommt gerade aus Las Vegas zurück, wo er den Handschuh auf der CES, einer der weltweit größten Tech-Fachmessen, präsentiert hat. Unser Büro befindet sich allerdings weiterhin in Aachen, dort haben wir auch unsere kleine Werkstatt.

Redaktion GesundheIT: Ihr habt letztes Jahr mit eurem smarten Handschuh für die Reha den ersten Platz beim HealthHack gewonnen*. Was ist seitdem passiert?

Cynteract: Seitdem haben wir einiges erreicht, worauf wir sehr stolz sind. So wurde unter anderem eine weitere klinische Studie gestartet sowie der Vertrieb in angrenzende Länder wie Polen.

Redaktion GesundheIT : Kurz nach eurem Sieg habt ihr berichtet, dass ihr nicht bei einem Handschuh aufhören wollt und euch mit dezentralen Therapieansätzen für beispielsweise Ruanda beschäftigt. Ist das noch aktuell?

Cynteract: Absolut! Wir möchten die Rehabilitation der Hand weltweit ermöglichen und vor allem erreichen, dass diese für Anwender*innen nicht mit Belastung, sondern Motivation verbunden wird. Durch Corona war es zunächst schwieriger nach Ruanda zu reisen, jetzt haben wir jedoch wieder Fahrt aufgenommen in der Partnersuche zur Umsetzung, beispielsweise zu Stiftungen.

Redaktion GesundheIT: Habt ihr einen Mehrjahresplan? Was benötigt ihr dafür?

Cynteract: Wir haben mehrere Ziele mit Cynteract, darunter Diversifizierung (den Handschuh auf den Körper ausweiten), Internationalisierung (z.B. nach Ruanda) und Skalierung (in andere Bereiche wie VR/Metaverse oder Industrie 4.0). Wir freuen uns über jede Unterstützung auf dem Weg gemeinsam die Welt zu verändern, von Stiftungen oder großen Unternehmenspartnern. 

Redaktion GesundheIT: Unser HealthHack – euer Feedback: Warum sollte man teilnehmen? Was gebt ihr den Teilnehmenden mit auf den Weg?

Cynteract: Der HealthHack bringt viele kreative Menschen mit tollen Ideen zusammen. Mit der Hilfe der Mentor*innen gibt es dann die Möglichkeit, diese Ideen auch in die Realität umzusetzen und zu verbessern. Daher sollte man sich diese Chance sich entgehen lassen!

Redaktion GesundheIT: Vielen Dank für eure Zeit und weiterhin viel Erfolg!

Unserer Premiumpartnerboard wächst! Neben der AWO Braunschweig ist die Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag in diesem Jahr mit dabei. Das Peter L. Reichertz Institut unterstützt als Veranstaltungspartner! Allen dreien durften wir ein paar Fragen rund um den HealthHack stellen. Wir freuen uns über die tatkräftige Unterstützung und über bekannte und neue Gesichter in unserer Jury und unter den Mentor*innen.

Redaktion GesundheIT: Die LINGA ist zum ersten Mal als Premiumpartnerin dabei, herzlich willkommen. Worauf freuen Sie sich besonders?

Delia Balzer: Kreativität und Entdeckergeist von jungen Teams begeistern mich immer wieder und motivieren für die eigene Arbeit. Durch das ganzheitliche Mentoringprogramm und die Zusammenarbeit mit potentiellen Umsetzungspartner*innen aus der Metropolregion verleihen wir beim HealthHack innovativen Ideen Flügel und auch ich als erfahrene Netzwerkerin profitieren von der Zusammenarbeit unterschiedlicher Gruppen.

Redaktion GesundheIT: Welche Entwicklungen dürfen wir in den nächsten Jahren in Bezug auf einen generationengerechten Alltag nicht verpassen?

Delia Balzer: Wir müssen das Alter neu bewerten, mit den Baby-Boomern kommt eine ganz neue Generation in den Ruhestand. Die Ansprüche an Produkte, Wohnformen und Dienstleistungen werden sich ändern. Neben dem „Design für Alle“ steht in Zukunft vor allem auch das Service-Design im Blickpunkt, gerade auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung.

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Delia Balzer, Projektleitung LINGA und HealthHack Jurymitglied

Redaktion GesundheIT: #CauseWeCare: Welche Unterstützung bieten Sie den HealthHack Teilnehmenden?

Delia Balzer: Wir leben in einer Gesellschaft des langen Lebens, dafür sensibilisieren wir von der LINGA. Innerhalb des Innovationszentrums Niedersachsen setzten wir ressortübergreifend den Akteur*innen die generationengerechte Brille auf. Es liegen soziale sowie wirtschaftliche Chancen im demografischen Wandel, wenn es uns als Gesellschaft gelingt, soziale Innovationen für Generationen zu entwickeln. Unerlässlich ist dabei, die potentielle Zielgruppe von neuen Produkten und Service Dienstiestungen frühzeitig in die Entwicklung mit einzubinden. Nur so schaffen wir Akzeptanz bei Nutzerinnen und Nutzern und erhöhen dadurch die Marktchancen. Diesen Blick möchte ich bei den Teams schärfen, damit sie sich zukunftsfähig aufstellen mit ihren Produkten.

Redaktion GesundheIT: Herr Fersahoglu Weber, der AWO Bezirksverband Braunschweig ist seit einigen Jahren als Premiumpartner beim HealthHack dabei. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

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Rifat Fersahoglu Weber, Vorsitzender Vorstand AWO Bezirksverband Braunschweig e.V. und HealthHack Jurymitglied

Rifat Fersahoglu-Weber: Für mich ist der HealthHack jedes Jahr wieder ein Impulserlebnis. Der HealthHack ist eine Veranstaltungsreihe, an der motivierte Hacker*innen an aktuellen Problemstellungen des Gesundheits- und Pflegewesens arbeiten. Es gibt nichts Vergleichbares in der Region. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Kompetenzen und Erfahrungen zwischen den Teams selbst, aber auch zwischen den Teams und den Mentor*innen ausgetauscht und gewinnbringend eingesetzt werden.

Redaktion GesundheIT: Sie bringen in diesem Jahr ein konkretes Thema für die Teilnehmenden mit. Erzählen Sie uns mehr...

Rifat Fersahoglu-Weber: In der Pflege führen der Fachkräftemangel und der demographische Wandel zu Versorgungsengpässen. Um dem Problem ein kleinwenig entgegenzuwirken, werden teilweise ausländische Pflegekräfte angeworben. Doch wie können wir diesen ein Ankommen im neuen Job und auch in der neuen Heimat erleichtern? Die Idee zielt auf eine Sprach-App ab, die es den Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund und den einarbeitenden Kolleg*innen das Erlernen und Vermitteln pflegerelevanter Begrifflichkeiten erleichtert und Missverständnisse vorbeugt. Die App soll dabei einfach und schnell die Fachsprache "Pflege Deutsch" in andere Sprachen verarbeiten. Dies fängt bereits bei einfachen Begrifflichkeiten wie Bettzeug, Schieber etc. an und geht bin zu fachspezifischen Begriffen wie Vitalwerte. Die Idee ist dabei, die Begriffe bildlich zu hinterlegen und die Übersetzung in eine ausgewählte Sprache oder feste Begriffe bildlich hinterlegt mit Übersetzung als Suchfunktion. Zusätzlich können hier potentiell Elemente der einfachen und/oder leichten Sprache unterstützend eingesetzt werden.

Redaktion GesundheIT: #CauseWeCare: Welche Unterstützung bieten Sie den HealthHack Teilnehmenden?

Rifat Fersahoglu-Weber: Eine realistische Verortung der Idee und eventuell direkte Anwendungsmöglichkeiten zur Erprobung der Prototypen.

Redaktion GesundheIT: Herr Prof. Dr. Deserno, das PLRI unterstützt den HealthHack bereits seit vielen Jahren, in diesem Jahr als Veranstaltungspartner. Inwiefern profitieren Sie von diesem Format?

Thomas Deserno: Als einziges gemeinschaftliches Institut der TU Braunschweig und der Medizinischen Universität Hannover hat das PLRI eine besondere Bedeutung in der Region, insbesondere für die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft. Informationstechnik ist derzeit der Treiber für Innovationen in der Medizin. Und viele gute nee Ideen entstehen in den Köpfen unsere Studierenden. Mit dem Healthhack bekommen vor allem junge Menschen die Möglichkeit, Ihre Ideen zu artikulieren und weiterzuentwickeln. Hieraus sind in der Vergangenheit  nicht nur Start-Ups entstanden, sondern auch Anregungen für die Wissenschaft, die am PLRI in Forschung und Lehre aufgegriffen werden.

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Prof. Dr. Thomas Deserno, Standortleiter und Geschäftsführer PLRI Braunschweig und HealthHack Mentor

Redaktion GesundheIT: Wenn Sie einen Wunsch freihätten für die Zukunft der medizinischen Informatik, was wäre das?

Thomas Deserno: Datenschutz ist richtig und wichtig, wird aber in unserem Land allzu oft dafür zweckentfremdet, gute Ideen im Keim zu ersticken. Im Bereich der (medizinischen) Informatik gibt es in unserer Gesellschaft großes Falschwissen, nicht nur im Bereich des Datenschutzes. Unser Umgang mit Covid-19 Pandemie hat dies sehr deutlich gemacht. Informatik hat einen zu geringen Stellenwert, angefangen in den Schulen bis hin zu den (politischen) Entscheidungsträgern. Deutschland benötigt eine durchgreifende Digitalisierung, die in der (Schul-) Ausbildung starten müsste. Das tut sie aber nicht, sodass alle mit abgeschlossener Ausbildung, außen vor sind. Als gesunder Mensch gehe ich zur medizinischen Vorsorgeuntersuchung; warum nicht auch zur medizinischen Informatikaufklärung?

Redaktion GesundheIT: #CauseWeCare: Welche Unterstützung bieten Sie den HealthHack Teilnehmenden?

Thomas Deserno: Durch seine internationale Vernetzung hat das PLRI in den letzten Jahrzehnten große Erfahrungswerte aufgebaut. Wir kennen viele internationale Projekte, erfolgreiche und auch nicht-erfolgreiche. Dieses Expertenwissen stellen wir den Teilnehmern im individuellen Coaching gerne zur Verfügung. Nicht selten habe ich bei früheren Healthhacks beobachten können, dass in den Begründungen der Jury auf kleine Details im Konzept des Teams Bezug genommen wurde, die zuvor in unseren Beratungsgesprächen adressiert worden sind.

Redaktion GesundheIT: Vielen Dank für Ihre Zeit. Das Interview macht Lust auf mehr? Infos und Anmeldung zum HealthHack 2023 unter https://metropolregion.de/gesundheit/healthhack/

Unser HealthHack geht in die nächste Runde. Am 4. und 5. März heißt es im Braunschweiger TRAFO Hub: Hacken, tüfteln, coden für die Gesundheit und Pflege von morgen!

Der Health Hack bietet Euch die Möglichkeit, mit Euren Projektideen und Fähigkeiten die Gesundheit und Pflege von morgen zu gestalten. In Teams werden dabei innovative neue Prototypen, Apps und Anwendungen entwickelt, die dazu beitragen, die Gesundheits- und Pflegeversorgung zu verbessern. Nachdem der HealthHack in den letzten zwei Jahren aus Pandemiegründen virtuell durchgeführt wurde, wird in 2023 wieder live vor Ort in entspannter Atmosphäre gearbeitet.

Neben Netzwerkkontakten und Mentoring durch Branchenexpert*innen winken für die besten Projekte Preisgelder bis zu 1.000 €. Weitere Benefits: Foods und Drinks, Goodie Bags, Raum zum Ausprobieren und jede Menge Spaß! Der perfekte Ort, um Team Mates, Zukunftsmacher*innen und Expert*innen zu treffen und Deine Idee im Open Innovation Ansatz beim HealthHack 23 zum Fliegen zu bringen! Mit einer Teilnahmegebühr von 10€ bist Du dabei.

Jetzt HIER anmelden.

Fragen? Linda Hoffmeister, Projektmanagerin Gesundheit, steht gerne unter linda.hoffmeister@metropolregion.de zur Verfügung.

Wir danken unseren Partnern: Techniker Krankenkasse Niedersachsen (Exklusivpartner), AWO Bezirksverband Braunschweig e.V. (Premiumpartner), Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (Premiumpartner), Peter L. Reichertz Institut (Veranstaltungspartner), Braunschweig Zukunft (Partner), Netzlink (Partner), Nibelungen Wohnbau GmbH (Partner), Haus der Wissenschaft (Veranstaltungspartner), Standort 38 (Medienpartner).

Stefan Muhle ist seit Januar 2018 Staatssekretär im niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. Wir haben die Chance für einen Rück- und Ausblick genutzt.
Mehr über seine Leidenschaft für die Digitalisierung, die Entwicklungen der Gesundheitswirtschaft in der Metropolregion, Innovationsgeist und weise Worte für kluge Köpfe im Interview.

Redaktion GesundheIT: Woher kommt Ihre Leidenschaft für die Digitalisierung?

Muhle: Ich bin ein notorischer Zukunftsoptimist. Trotz aller globaler und nationaler Herausforderungen bin ich mir sicher, dass wir unseren Kindern eine lebenswerte Welt hinterlassen können. Herausforderungen werden wir aber nur mit Technologie und digitalen Lösungen meistern können. Viele politische Standardantworten auf die großen Fragen der Zeit sind aber eher unkreativ, überholt oder rückwärtsgewandt. Digitale Lösungen auf dieselben Fragen wirken auf mich dagegen oftmals einleuchtender, klüger, nachhaltiger – insgesamt gewinnbringender. Deshalb verstehe ich mich in meinen öffentlichen Ämtern auch als Möglichmacher, und digitale Möglichkeiten sind dabei oft die zukunftssichersten. Und da Digitalisierung nun einmal eine Querschnittsaufgabe durch nahezu alle Bereiche des Lebens ist, erschließen sich in einer 360-Grad-Betrachtung auch viele ungeahnte Themenbereiche, das macht die Sache unerhört spannend.

Redaktion GesundheIT:  Was sehen Sie als größten Erfolg der letzten vier Jahre für die digitale Gesundheitswirtschaft in der Metropolregion?

Muhle: Der Weg zu erfolgreichen Innovationen und zum Erfolg insgesamt ist in fast allen Disziplinen vergleichbar: am Anfang müssen Menschen für einen neuen, erfolgversprechenden Ansatz – der idealerweise digital ist – begeistert werden. Dieser Schritt ist im Handlungsfeld Gesundheit der Metropolregion offensichtlich vollzogen. Und deshalb entstehen in der Folge kreative Formate wie „HealthHack“ oder lösungsorientierte Projekte mit Robotern in der Pflege. Mir gefällt der Ansatz, bekannte Themen mit einem zeitgemäßen Mindset noch einmal neu anzuschauen. Dadurch gibt man der Kreativität den Platz, ein Thema neu zu denken. Dass dabei heutzutage mehr und mehr digitale und technologiebasierte Lösungen dabei sind, verwundert nicht. Und quasi als Gegenleistung befördern genau diese Anregungen das Digitale raus aus der Nerd-Ecke, hinein in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Dass die Metropolregion genau das geschafft hat und mittlerweile einer der  gefragtesten Gesprächspartner zu Themen der digitale Gesundheitswirtschaft geworden ist, freut mich sehr.

Redaktion GesundheIT: Die Metropolregion ist Heimat vieler spannender Gesundheitsinitiativen. Was hat Sie in der Zusammenarbeit mit so viel Innovationsgeist besonders beeindruckt? Wo ist noch Luft nach oben?

Muhle: Es braucht immer ein Gesicht, einen Menschen, der ein Thema transportiert und andere damit ansteckt. Und aus meiner Sicht konnten wir in unseren Projekten viele neugierige und engagierte Menschen treffen, die ein Konzept, eine Idee dann auch zum Fliegen gebracht haben. Luft nach oben ist immer, alles andere wäre bedrückend. Deshalb müssen wir - muss auch die Metropolregion - uns den Erfolgswillen immer wieder bewusst machen und uns selbst verordnen; beispielsweise, indem wir bewusst den Blick und die Perspektive auf ein Problem verändern, indem wir bei der Suche nach Lösungen ungewohnte Fachbereiche beteiligen, indem wir auch Fehler zulassen, um daraus zu lernen.

Redaktion GesundheIT: Sie sind langjähriger Schirmherr unseres HealthHack. Was geben Sie den klugen Köpfen der Gesundheitswirtschaft mit auf den Weg?

Muhle: Der HealthHack und die daraus resultierenden Ideen und Lösungsansätze sind in jeder Hinsicht ein Gewinn – für mich als Schirmherr, vor allem aber für die Entwickler und die in gesundheitlicher Hinsicht Profitierenden. Allgemein gilt: Ideen und konkrete Projekte werden erst dann auch erfolgreiche Ideen und Projekte, wenn sie inhaltlich toll sind, gut beschrieben und erklärt werden, wenn ein passender Name und Marketing diese Ideen begleitet und wenn sie von begeisterten Menschen getragen werden. Das alles wissen wir und doch erliegen wir oft der eigenen Begeisterung und fabrizieren Klein-Klein oder Schnellschüsse ohne Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund lautet mein Tipp: Gute Ideen brauchen auch professionelles Coaching, ein zweckmäßiges Management und die richtige Vermarktung. Und vor allem einen ganz langen Atem.

Redaktion GesundheIT: Wie kann die Metropolregion als Gesundheitsstandort ihre Vorreiterrolle zukünftig noch weiter ausbauen?

Muhle: Das Konstrukt der Metropolregion ist ja schon jetzt auf Erfolg getrimmt, fühlt sich nach „Pole-Position“ an und ist sicher der erste Vorteil auch anderen - weniger fokussierten - Regionen gegenüber. Die Frage, welche Megathemen auf den ersten Plätzen stehen, ist eine strategische und kann nur von Ihnen selbst beantwortet werden. Aber aus meiner Sicht liegt im Thema „digitale Gesundheitswirtschaft“ genügend Potenzial für eine erfolgreiche Weiterentwicklung hin zu noch mehr Wissenszentrum und noch mehr – auch digital organisiertem – Knotenpunkt.
Eine stetig weiter wachsende enge Verbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und speziell jungen Unternehmen oder Startups ist aus meiner Sicht ein maßgeblicher Erfolgsfaktor und würde in meinen Augen gut zur Metropolregion passen.

Redaktion GesundheIT: Herzlichen Dank für Ihre Zeit, Herr Muhle.

Das HealthHack 21 Siegerteam Cynteract steht Frage und Antwort rund um seinen smarten Handschuh für die Rehabilitationstherapie: Wie es zur Idee kam, warum VR, was er kostet und warum es für Gernot Sümmermann und Manuel Wessely nicht nur bei Handschuhen bleiben soll.

GesundheIT: Könnt Ihr euch kurz vorstellen – wer steckt hinter Team Synteract?

Cynteract: Gerne! Cynteract ist ein Startup, das darauf abzielt, die Rehabilitation unterhaltsamer und effizienter zu gestalten als bisherige Behandlungen. Wir haben einen intelligenten Handschuh mit Sensoren entwickelt, den Patient*innen als Spielsteuerung in der Therapie der Hand verwenden können. So bringen wir die Rehabilitation in das digitale Zeitalter.

GesundheIT: Die HealthHack Jury war begeistert von Eurer Idee des smarten Gaming Handschuhs für die Rehabilitationstherapie. Wie kam es dazu?

Cynteract: Dankeschön! Wir wurden von der Idee inspiriert, als ein Freund in jungen Jahren einen Schlaganfall erlitt. Während seiner Rehabilitation hatte er mit den langweiligen und zeitraubenden Übungen zu kämpfen. Nach kurzer Zeit hörte er mit den Übungen auf, was zu einer Verschlechterung seiner Handfunktionen führte. Wir entschlossen uns daraufhin eine Lösung zu finden.

GesundheIT: Warum VR?

Cynteract: Zunächst waren wir 2013 mit unserem „Jugend forscht-Projekt“ auf „Virtual Reality“ fokussiert. Mit unserem Handschuh konnte man das erste Mal seine eigenen Hände in der virtuellen Welt sehen und virtuelle Objekte fühlen. Durch eine VR-Brille kann aber auch das Training intensiviert werden, denn schließlich taucht man komplett in die Welt ein. Ein kleiner psychologischer Vorteil: Die Patient*innen sehen ihre zu rehabilitierende Hand nicht mehr.

GesundheIT: Was kostet der Handschuh?

Cynteract: Den Handschuh verkaufen wir aktuell in unserem Webshop (cynteract.com/de/shop) für unter 800€, sodass auch jeder zuhause damit trainieren kann. Selbstverständlich arbeiten wir an der Erstattung durch die Krankenkasse, um die Patient*innen zu entlasten.

GesundheIT: Ihr seid bereits im Einsatz: erzählt doch mal über die Anwendungsszenarien

Cynteract: Nach einer Handverletzung oder einem Schlaganfall sind Reha-Maßnahmen oft vor allem eines – ziemlich monoton. Dabei ist ein regelmäßiges Training essentiell für die Genesung. Mit Cynteract kann die Reha mit motivierenden Computerspielen kombiniert werden. So kommt sogar richtig Spaß ins Training!

GesundheIT: Ihr seid ja bereits ein  Startup: habt Ihr Tipps für andere Gründer*innen?

Cynteract: Ein Healthcare- oder Medtech-Startup zu gründen bedeutet, sich der großen Herausforderung der Zertifizierung zu stellen. Für ein Medizinprodukt müssen nämlich umfangreiche Risikoabschätzungen und Tests durchgeführt werden. Wir selbst haben keinen medizinischen Fachhintergrund gehabt, sodass uns zu Beginn gar nicht klar war, welche Standards es zu erfüllen gilt und wie man für ein elektronisches Produkt die Zulassung zu einem Medizinprodukt erhält. Leider sind Beratungen zu den Regularien eines Medizinproduktes schwierig zu erhalten. Es ist somit erforderlich sich schon frühzeitig z.B. mit dem Thema "Technische Dokumentation" zu beschäftigen und diese Themen nicht zu unterschätzen - die Kosten und die Zeit.

GesundheIT: Welche Rolle spielen HealthHack Formate?

Cynteract: Unter Zeitdruck bzw. einem Entwicklungssprint kann man unglaubliche Fortschritte erreichen und Ideen in kürzester Zeit realisieren. So macht das hacken nicht nur Spaß, sondern hat auch tatsächlich einen großen Mehrwert für das Startup.

GesundheIT: Wie gründerfreundlich ist Deutschland?

Durch unsere Teilnahmen an internationalen Wettbewerben und Reisen ins Ausland konnten wir Einblicke in andere Länder und Gründerkulturen erhalten. So stellt man extrem viele Schwachstellen in Deutschland fest. Als Hardware-Startup steht man vor allem vor dem Problem von langen Lieferzeiten und individueller Unterstützung, so muss man gerade bei Elektronik nach China ausweichen. Grundsätzlich sollten allerdings zunächst eine Fehlerkultur und eine andere Risikobereitschaft geschafft werden. Denn die Forderung von "Venture Capital" Investoren nach Umsätzen kann man nicht nachkommen, wenn ein Produkt erst gebaut, geprüft und zertifiziert werden muss. In Deutschland ist leider noch im Risikoinvestment kein Risiko und kein Social-Entrepreneurship gewollt.

GesundheIT: Was hat Euch an unserem HealthHack gefallen?

Cynteract: Uns hat besonders die Unterstützung von so hervorragenden Coaches gefallen. Hierbei der Fokus auch ganz klar auf dem Gesundheitsmarkt, z.B. mit der Techniker Krankenkasse. Denn was hilft mir ein Businessplan ohne zu wissen, wie Erstattung oder Medizinprodukt-Zertifizierung funktionieren?

GesundheIT: Was benötigt Ihr nun für die nächsten Schritte? Wo soll es in nächster Zeit hingehen?

Cynteract: Wir wollen selbstverständlich nicht mit einem Handschuh aufhören, sondern entwickeln bereits Lösungen für den ganzen Körper - von Kopf bis Fuß. Gleichzeitig beschäftigen wir uns mit Ländern, wie Ruanda, in welchen es nur wenige Therapeut*innen auf die Anzahl von Menschen gibt. Hier möchten wir mit unserem Reha-Handschuh eine dezentrale Rehabilitation ermöglichen - ohne stundenlange Fahrten. Darüber hinaus entwickeln wir aber noch mehr vom treppensteigenden Rollstuhl (autak.org) bis zur wasser- und chemikalienfreien Waschmaschine (refresherboxx.com).

GesundheIT: Was wollt Ihr noch loswerden?

Cynteract: Vielen Dank für eure Unterstützung und Auszeichnung! Gratulation auch an die anderen Teams. Wir freuen uns zukünftig noch viele Menschen mit unseren Technologien unterstützen zu können und hoffen, dass noch viele weitere soziale Gründer*innen nachkommen - in Deutschland!

GesundheIT: Vielen Dank! Mehr über Cynteract erfahren unter (https://cynteract.com/)

Niedersachsens Digitalisierungsstaatssekretär Stefan Muhle im Gespräch über digitale Entwicklungen, "das nächste Große Ding" in der Gesundheitswirtschaft, unseren HealthHack und die Projekte.

GesundheIT: Herr Muhle, Corona beschäftigt uns seit geraumer Zeit, Alltagsprozesse und –strukturen werden zunehmend digitaler. Welche Entwicklungen beeindrucken Sie bei diesem Thema besonders?

Muhle: Über bspw. die Corona Warn-App haben breite Bevölkerungsschichten den Nutzen digitaler Tools am eigenen Leib erlebt - und das sicher, effizient und datengeschützt. Die Download-Zahlen der CWA sprechen für sich. Mit großer Leichtigkeit nutzen auch viele ältere Menschen mittlerweile App´s und haben Lust auf mehr Digitales bekommen. Daran müssen wir anknüpfen.

GesundheIT: Schauen wir in unser Handlungsfeld Gesundheitswirtschaft - Bioprinting, Robotik, AR/VR, Infektiologie, Plasma, Personalisierte Medizin: Was könnte hier “das nächste große Ding” sein und wie können wir in der Metropolregion und Niedersachsen davon profitieren? 

Muhle: Durch die zunehmende Rechenpower und Methoden der künstlichen Intelligenz werden Prozesse in der biopharmazeutischen Medikamentenentwicklung und -herstellung erheblich optimiert und beschleunigt. Für einzelne Entitäten und Krankheitsbilder birgt die Konzeption von Digital Twins enormes Potenzial für die Realisierung einer personalisierten und kostengünstigeren Medizin. Die in silico Testung von Medikamenten und Therapien sind hier nur ein Beispiel.

Niedersachsen weist in den o.g. Bereichen sowohl in der Forschung als auch in der Industrie starke Player auf, die bereits in die Zukunft gerichtet denken und agieren, was landesseitig zu großen Teilen auch unterstützt und mitgetragen wird. Damit haben wir hier im Land und in der Metropolregion gute Voraussetzungen, um in diesen innovativen Bereichen in der oberen Liga mitzuspielen.

GesundheIT: Sie sind in diesem Jahr erneut Schirmherr des HealthHack der Metropolregion. Wo sehen Sie besondere Potenziale in diesem Format?

Muhle: Hacks sind häufig erstmalige Gelegenheiten für junge Menschen, ihr eigenes Gründungspotential zu entdecken. Hackathons bieten ein besonderes Potential im Bereich Teambildung und Ideation. Bei Hackathons können sich komprimiert in kurzer Zeit interdisziplinäre Teams an konkreten Ideen abarbeiten, um einen ersten Prototypen zu entwickeln. Wichtig im Anschluss daran ist dann, dass die guten Ideen auch nachhaltig weiterverfolgt werden.

GesundheIT: Neben der Finanzierung wird vor allem die Bedeutung eines Gründungs-Mindsets hervorgehoben. Wie können wir noch stärker für das Thema Entrepreneurship begeistern? 

Muhle: In Niedersachsen hat sich in Sachen Startups in den letzten 3 Jahren regelrecht Fabelhaftes getan. Wir haben eine hochwertige Netzwerk- und Förderstruktur aufgebaut. Wichtig ist es, Gründungspersönlichkeiten einzubinden und Ihre Erfolgsstories zu erzählen. Auch das Thema Scheitern ist ein wichtiger Punkt der als positiver Lernprozess vermittelt werden sollte. Und der Health Hack ist ein wichtiges öffentlich wirkendes Event, das Aufmerksamkeit auf das Gründen als Karriereoption lenkt.

GesundheIT: Das HealthHack Siegerteam in diesem Jahr beschäftigt sich mit Gamification in der Rehabilitation. Ziel ist es, einen Spaßfaktor in Rehatherapien zu integrieren und gleichzeitig die Effizienz zu steigern – per smartem Handschuh als Controller. Was sagen Sie zu diesem Thema?

Muhle: Mega Idee mit einer sehr hohen Chance, so oder so ähnlich auch in der Praxis eine Realisierungschance zu bekommen. Gerade im Bereich Gamification tut sich in Niedersachsen sehr viel. Diese Kompetenz und dieses Ideenreichtum müssen wir jetzt mit den etablierten Branchen und unseren KMU´s und dem Handwerk matchen.

GesundheIT: Ihre abschließenden digitalen Mutmacher-Worte?

Muhle: Auch der diesjährige HealthHack hat wieder gezeigt: Unsere Zukunft wird digital und stark technologiebasiert sein. Jetzt müssen wir die wilden Ideen der jüngeren Generation mit der Erfahrung und der Kompetenz der älteren Generation matchen. Wir haben es selber in der Hand. Innovationen und den Mut, diese zuzulassen und ihnen den Weg zu ebnen wird entscheidend sein.

GesundheIT: Vielen Dank, Herr Muhle!

Drei Einreichungen schaffen es im internationalen Gesundheits-Wettbewerb auf das Treppchen

Metropolregion, 28.01.2022. Die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH zeichnete im Rahmen der HealthLounge mit einer feierlichen Preisverleihung drei Siegerteams für ihre Gesundheitsprojekte aus. Die Preise wurden durch die Techniker Krankenkasse Niedersachsen, das Peter L. Reichertz Institut und den AWO Bezirksverband Braunschweig e.V. an Cynteract – Gamification in Rehabilitation, Oxygen Leak Detector und FoodUCare vergeben.

Drei Monate Arbeitszeit, 223 Teilnehmer*innen aus 39 Ländern, 20 eingereichte Projekte, drei Siegerteams und ein Publikumspreis – das ist die Bilanz des HealthHack 2021, den die Metropolregion GmbH nun zum vierten Mal in Folge gemeinsam mit starken Partnern aus der Region veranstaltete. Nach dem Auftakt auf dem HealthSummit im Braunschweiger TrafoHub am 04. November 2021 kürte eine unabhängige Jury aus Gesundheits- und Pflegeexpert*innen der Techniker Krankenkasse, des AWO Bezirksverband Braunschweig e.V., dem Peter L. Reichertz Institut, der Landesinitiative Niedersachsen generationengerechter Alltag, Flying Health und der Metropolregion GmbH gestern im Rahmen der virtuellen HealthLounge die Siegerprojekte.

Den ersten Platz belegte das aufstrebende StartUp Cynteract mit seiner Idee, Rehatherapien mit einem Gamification-Ansatz zu verbinden. Die beiden Gründer wurden dabei von einem gemeinsamen Freund inspiriert, der in jungen Jahren einen Schlaganfall erlitt und über eintönige Übungen in der Rehabilitationstherapie  berichtete. Viel Optimierungspotenzial für Gernot Sünermann und Manuel Wessely. Der smarte Handschuh besitzt Sensoren und kann in Spielszenarien als Controller genutzt werden. Die verschiedenen Spiele ermöglichen ein ortsunabhängiges Training, einen höheren Spaßfaktor in der Therapie und das Monitoring von Fortschritten. Gernot Sünermann und Manuel Wessely freuen sich über den Sieg und loben das Format: „Der Health Hack 2021 hat hochkarätige Experten an Board gehabt, um uns Teilnehmer*innen zu unterstützen. Und zwar genau die richtigen für ein Gesundheitsprojekt.“ Was die Zukunft bringen soll? „Unsere Vision geht über einen Handschuh hinaus, denn wir möchten die gesamte Rehabilitation motivierend und digital gestalten, von Kopf bis Fuß. Das auch nicht nur in Deutschland, sondern hinaus in die Welt, um beispielsweise in Ruanda jedem eine dezentrale Rehabilitation zu ermöglichen.“ Die Kombination aus Rehabilitation und Gamification hat alle Jurymitglieder überzeugt. Cynteract hat echtes Innovationspotenzial, auch erste mögliche Anwendungsszenarien sind bereits deutlich geworden. Mehr Informationen über das Projekt unter https://devpost.com/software/cynteract-gamification-in-rehabilitation und https://cynteract.com/

Der zweite Platz ging an das Projekt Oxygen Leak Detector. Während der Nutzung sollen Sauerstoffflaschen auf undichte Stellen geprüft werden, um Sauerstoffverlust vorzubeugen. Das Setup beinhaltet eine Kamera, digitale Mikrofone und ein Raspberry Pi Model 3, um die Daten auszulesen und an einen Computer weiterzuleiten. Die Jury sah in diesem Projekt gerade unter aktuellen pandemischen Bedingungen großes Potenzial für den ressourcensparenden Einsatz von Sauerstoff und einen echten Mehrwert für Betroffene. Mehr Informationen über das Projekt unter https://devpost.com/software/oxygen-leak-detector

Platz drei und gleichzeitig Gewinner des Publikumspreises ist das internationale Team FoodUCare. Die App wird Patient*innen beispielsweise während einer kardiologischen Rehabilitation vorgestellt und hier initialisiert. Sie hilft dabei, sowohl den Medikationsplan, als auch eine krankheitsgerechte Ernährungsumstellung umzusetzen. Durch die Nutzung der App -  auch über die Rehabilitation hinaus - können die erzielten Erfolge nachhaltig in den Alltag integriert werden.​ Die Jury bewertete insbesondere die Rehabilitationsanbindung als auch die umfassenden Funktionsmöglichkeiten als auszeichnungswürdig. Mehr Informationen über FoodUCare unter https://devpost.com/software/healthy-snack-app

Kai Florysiak, Geschäftsführer der Metropolregion und Initiator des HealthHacks resümiert: „Der HealthHack21 war ein voller Erfolg und wir zeigen mit diesem Format, dass wir die Welt in die Metropolregion bringen. Ich gratuliere allen Teams herzlich und freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit. Wir werden natürlich weiterhin Unterstützung durch unser starkes Gesundheitsnetzwerk anbieten.“ Auch Stefan Muhle, Digitalisierungsstaatssekretär und langjähriger Schirmherr des HealthHack zeigt sich begeistert: „Der HealthHack zeigt immer wieder, wie viel Digitalisierungspotenzial in der Gesundheitsbranche steckt. Ich freue mich, dass die Metropolregion und ihre Partner die spannenden Projekte weiterhin auf ihren Wegen begleiten und wir sie in Zukunft in der Praxis sehen.“

Die HealthLounge kann auf dem YouTube-Kanal der Metropolregion nachträglich abgerufen werden.

Wir freuen uns auf unser nächstes #HealthHack Team. Aus unterschiedlichen Ecken der Welt haben sich Adrienne, Alan, Julia, Mohammad, Peter und Thomas zusammengeschlossen und berichten über ihre Idee, warum sie dabei sind, was sie beruflich machen und worauf sie sich in den nächsten Wochen freuen.

GesundheIT: Hallo zusammen, könnt ihr euch kurz vorstellen? Wer seid ihr und wo kommt ihr her?

Team: Wir sind ein sehr internationales Team aus unterschiedlichen Zeitzonen und Ecken der Welt: Adrienne Yang (Texas, USA), Alan Yussef Alhaji (Uelzen, Niedersachsen), Julia Yukovich (München, Bayern), Mohammad Raahemi (Ottawa, Canada), Peter Ndukwe (Lagos, Nigeria) und Thomas Melzer (München, Bayern). Wir kennen uns bereits aus vorherigen Hackathons und haben unglaublich viel Spaß dabei zusammen zu arbeiten. Auch bei einer Zeitverschiebung von sieben Stunden. 

Thomas ist gerade dabei sein Praktisches Jahr im Medizinstudium abzuschließen. Anschließend wird er an der LMU-Klinik in Großhadern seine Assistenzarzt-Zeit beginnen. Er bringt die medizinische Expertise mit. Alan ist ein erfahrener Backend-Developer im Gesundheitsbereich und kennt sich mit DiGas aus. Er arbeitet derzeit am Institut für Medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen. Passend dazu liegt Peters Erfahrungsbereich im Frontend-Development mit Flutter. Er arbeitet bei der Firma Encostay Solutions als Mobile Engineer. Für das gewisse etwas in der Bedienung ist Mohammad verantwortlich. Er ist ein Experte auf dem Bereich KI und Computer Vision. Mohammad arbeitet als Data Scientist bei der Canada Border Services Agency. Damit die App auch ein wahrer Hingucker wird hat sich Adrienne unserem Team angeschlossen und zaubert ein ansprechendes und userzentriertes Design. Sie ist hauptberuflich UI/UX-Designerin. Julia hat unser Team zusammengetrommelt und bringt sich in jedem Bereich mit ein: Vom Development, über die Organisation bis hin zum Design. Sie ist Studentin an der TUMünchen im Studiengang Chemie-Ingenieurwesen.

GesundheIT: Warum seid ihr beim HealthHack dabei?

Team: Wir lieben Herausforderungen und haben unglaublich viel Spaß dabei unsere Ideen gemeinsam in die Tat umzusetzen. Durch die Veranstaltung erhoffen wir uns insbesondere Feedback und neue Anreize durch Expert*innen aus dem Bereich eHealth. Der Austausch bringt nicht nur neue Perspektiven, er eröffnet auch die Möglichkeit von der langjährigen Erfahrung anderer zu profitieren. Letztendlich ist es eine Gelegenheit, mit einem fantastischen Team ein Produkt der nächsten Generation zu entwickeln.

GesundheIT: Wie seid ihr auf den HealthHack aufmerksam geworden?

Team: Wir sind über Devpost auf euch aufmerksam geworden. Haben uns zusammengetan, Ideen gebrainstormt und uns direkt angemeldet. 

GesundheIT: Und worum geht es bei eurem Projekt?

Team: Unsere Idee entstammt einer angeregten Diskussion im Arztzimmer. Immer wieder vergessen Patienten wie ihre Medikamente eingenommen werden müssen oder wissen gar nicht warum sie die Medikamente einnehmen sollten. Und wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung. Sobald man aus dem Arztzimmer spaziert weiß man eigentlich schon gar nicht mehr wie das alles funktionieren sollte. Doch wie ist es, wenn man mehr als nur ein Medikament einnehmen muss und mehr als nur eine Empfehlung ausgesprochen bekommt? Wir wollen Menschen helfen, die krankheitsbedingt auf ihre Ernährung und Wassereinnahme achten müssen. Wir haben eine App geschaffen, die im Alltag unterstützen soll und wichtige Infos bei sehr einfacher Bedingung liefert. Die Erfassung wichtiger Daten wird automatisiert und so bleibt mehr Zeit gesund zu werden. Das Wissen zur Ernährungsumstellung liefert die App und schafft es so das Verhalten nach und nach aus eigenem Antrieb zu verändern.

GesundheIT: Worauf freut ihr euch am meisten in den kommenden Wochen?

Team: Wir freuen uns auf viele spannende Diskussionen und das Lösen kleiner und großer Probleme, um unsere gemeinsame Idee zum Leben zu erwecken. Insbesondere den bevorstehenden Mentor-Sessions blicken wir mit Freude entgegen.

GesundheIT: Danke für eure Zeit und viel Erfolg in den nächsten Wochen.

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