
Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE entwickelt gemeinsam mit bundesweiten Partnern eine KI-gestützte App. Ziel des Verbundprojektes ist es, Frauen in den Wechseljahren individuell zu unterstützen. Im Verbundprojekt „PETRA“ übernimmt die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg die Wissenschaftskommunikation und Verstetigung sowie die Planung und Durchführung von Veranstaltungen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt mit rund zwei Millionen Euro für eine Laufzeit von drei Jahren.
Metropolregion (04.02.2026). Eine Herausforderung für Frauen und Wirtschaft: die Perimenopause. Die Übergangsphase zu den Wechseljahren bringt körperliche Beschwerden wie Hitzewallungen, Gewichtszunahme und Konzentrationsschwierigkeiten mit sich und belastet den Arbeitsalltag zahlreicher Frauen. Viele von ihnen treten deshalb beruflich kürzer, einige geben ihren Job aufgrund der Wechseljahre sogar komplett auf. Insgesamt wird von 40 Millionen verlorenen Arbeitstagen ausgegangen, wodurch ein wirtschaftlicher Schaden von schätzungsweise über neun Milliarden Euro jährlich in Deutschland entsteht.
Mit dem BMFTR-geförderten Projekt „PETRA: AI-gestützte, edukative Therapiebegleitung für die Perimenopause“ entwickelt das Fraunhofer IESE nun mit weiteren Partnern eine wissenschaftlich fundierte Gesundheits-App mit KI-Chatbot. Diese soll eine individuelle Therapie für die Betroffenen ermöglichen. Dafür stehen rund zwei Millionen Euro für drei Jahre bereit. Am Projekt beteiligen sich außerdem das Digital Health Startup FEMNA aus Berlin, die Juniorprofessur Gesundheit und E-Health der Ruhr-Universität Bochum, die Sozialforschungsstelle der Fakultät Sozialwissenschaften an der Technischen Universität Dortmund und das Berlin Institute of Health der Charité (BIH). Die Metropolregion ist im Projekt für die Wissenschaftskommunikation zuständig, sichert nachhaltige Strukturen und setzt passgenaue Veranstaltungsformate um. Zudem unterstützt die Techniker Krankenkasse Landesvertretung Hessen das Projekt bei Online-Umfragen.
Auf Grundlage von Workshops mit Betroffenen analysiert das Konsortium in einem ersten Schritt die Bedarfe. Die dort gewonnenen Erkenntnisse fließen anschließend in die Entwicklung der App. Diese dient als Daten- sowie Wissensplattform und spielt durch einen KI-Chatbot individuelle Empfehlungen aus.
Dr. Theresa Ahrens, Leiterin der Abteilung Digital Health Engineering vom Fraunhofer IESE, betont den ganzheitlichen Ansatz: „Mit dem neuen KI-Chatbot und dem Gesamtkonzept der App bewirken wir nicht nur eine Verbesserung der individuellen Gesundheitskompetenz von Frauen, sondern auch nachhaltige Veränderungen in der Arbeitswelt und im Gesundheitswesen.“
Während der App-Entwicklung evaluiert das Forschungsteam zudem die Nutzerfreundlichkeit. Dabei erhalten Nutzerinnen die Möglichkeit, ihre Daten anonymisiert für wissenschaftliche Studien bereitzustellen, um so die sogenannte Gender Health Gap zu reduzieren. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hatte erst Mitte Januar erklärt, dass Deutschland hinsichtlich der Frauengesundheit ein Entwicklungsland sei. Zugleich versprach sie Fördermittel, um ebendort anzusetzen. Auch das Bundesministerium für Gesundheit hat jüngst zwei Förderrichtlinien veröffentlicht, um die Frauengesundheit zu stärken.
Lina Brandt, Kommissarische Leiterin des Handlungsfeldes Gesundheitswirtschaft bei der Metropolregion, begrüßt die Hinwendung zu mehr Forschung im Bereich der geschlechtsspezifischen Gesundheit und kritisiert, dass Frauen bis in die 1990er-Jahre hinein nur unzureichend in klinische Studien einbezogen worden sind. „Viele medizinische Erkenntnisse basieren überwiegend auf männlichen Daten. Das führt dazu, dass gesundheitliche Bedürfnisse von Frauen in Diagnostik, Therapie und Prävention oft nicht angemessen berücksichtigt werden – mit messbaren Risiken. Frauengesundheit ist daher kein Randthema, sondern Teil gesellschaftlicher Infrastruktur. Sie betrifft medizinische Versorgung ebenso wie Arbeitsfähigkeit, Teilhabe und wirtschaftliche Stabilität.“ Projekte wie PETRA leisten Brandt zufolge einen wichtigen Beitrag, strukturelle Defizite wie diese schrittweise zu verringern und evidenzbasierte Angebote für Frauen zu verbessern.
PETRA ist nur eines von mehreren innovativen Projekten im Handlungsfeld Gesundheitswirtschaft der Metropolregion. Als Plattform, Vernetzerin und Impulsgeberin bringt die Metropolregion auch in den Handlungsfeldern Mobilität, Standortmarketing und Emerging Fields zukunftsweisende Vorhaben voran, zeigt international Präsenz auf bedeutenden Messen und engagiert sich mit der Antenne Métropole für die deutsch-französische Zusammenarbeit.